Die Natur und ihre Rolle beim Hochwasser

Die Fliessgewässer brauchen eine Dynamik, sie müssen sich selbst ihren Weg suchen und von Zeit zu Zeit über die Ufer treten können. Der Mensch sollte sich also nicht zu dicht an den Flüssen niederlassen und ihre Ufer übermässig ausbeuten.

Eine der wichtigsten Erkenntnisse des modernen Hochwasserschutzes ist, dass jedes Gewässer für sein Funktionieren einen über die sichtbare Wasserfläche hinausgehenden Raumbedarf hat. Dieser neue Ansatz des Managements von Fliessgewässern ermöglicht gleichzeitig eine Erhöhung der Sicherheit, des Naturpotenzials und der Lebensqualität. Wir sind heute in der Lage, die Zwänge des Hochwasserschutzes auf optimale Weise mit denjenigen des Naturschutzes in Einklang zu bringen.

Auch das Rhone-Tal und die Rhone bilden da keine Ausnahme. Der erfolgreiche ökologische Hochwasserschutz an Reuss und Thur (Fotos unten) weist den richtigen Weg. Die Revitalisierungen von Fliessgewässern stellen eine einzigartige Chance dar, die Dynamik der Auen wiederherzustellen, wichtige Arten wieder heimisch zu machen sowie reichhaltige und vielfältige Strukturen wiederaufzubauen.

Die Rhone braucht Platz, um die Stärke und zerstörerische Kraft ihrer Hochwasser zu kanalisieren. So würde sie die Fähigkeit erhalten, Wasser schadlos abzuleiten und gleichzeitig Geschiebe aufzufangen – die Vegetation bremst die Fliessgeschwindigkeit und nimmt einen Teil des Wassers wie ein Schwamm auf.

Wird ein Gewässer in seinen ursprünglichen natürlichen Zustand zurückversetzt, spricht man von Renaturierung. Bei der Revitalisierung werden hingegen nur einzelne Elemente eines Flusses wiederhergestellt, um seine Dynamik und Strukturvielfalt zu verbessern.

Magazin des BAFU 09/2011